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Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang

Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

Marken, Markenartikel und Werbung

Gliederung

  • Große Markennamen desKonsums
  • Markennamen im täglichen Sprachgebrauch: der Fall Tempo
  • Der Wirkungsmechanismus des Markennamens
  • Der Wirtschaftszweig Werbung
    • Wirtschaftliche Bedeutung der Werbung
    • Die Aufgabe der Werbung - Erfolgsaussichten und die Folgen
  • Zur neuen Rolle der Marken am Markt
    • Der kritische Verbraucher
    • Die Konzentration im Handel
  • Eine neue Aufgabe für die Werbung

Teilprüfung 1 (schriftlich) - Bearbeitungszeit: 60 min

Werbung mit Bodenhaftung

1Gute Werbung muss überraschen. Sie muss auffallen, um ihre Botschaft zu vermitteln. Das fällt
2ihr schon lange nicht mehr leicht: Die Verbraucher sind immer mehr Werbung ausgesetzt:
3durchschnittlich wird jeder täglich mit rund 3000 Webebotschaften konfrontiert. Doch nur
4wenige bleiben haften. Werbung wird gesehen oder gehört und sofort vergessen. Mit enormem
5finanziellem Aufwand versuchen die Werbeagenturen daher, ihre Botschaften immer lauter,
6schöner und perfekter zu gestalten. Sie schaffen eine Werbewelt der Exklusivität, eine Welt der
7schönen Illusion, die mit der alltäglichen Realität nichts mehr zu tun hat und den Verbraucher in
8eine neue schöne Welt entführt. Mit dem Kauf der angepriesenen Ware löst der Verbraucher die
9Eintrittskarte in diese Welt der exklusiven Individualität.
 
10Doch diese Werbestrategie, die jahrzehntelang die Werbewelt in den alten Bundesländern
11bestimmte, funktioniert nicht mehr so richtig. Zu kritisch ist mittlerweile der zahlungskräftige
12Verbraucher geworden, als dass er sich davon beeindrucken ließe. Seit einiger Zeit erscheint
13daher eine neue Form der Werbung, die manchmal ganz überraschend „normal" wirkt und die
14gerade deshalb ankommt. In ihren Sports werden gewöhnliche Menschen in realen Situationen
15gezeigt. Statt Schönheiten mit makellosen Körpern begegnen uns „echte" Charaktere in
16Situationen aus dem alltäglichen Leben.
 
17In dieser Form erscheint die Werbung überzeugend, weil sie einem beim Verbraucher weit
18verbreiten Gefühl entspricht: dem Wunsch nach Normalität, nach einem selbstbestimmten
19Lebensinhalt und -tempo. Diese Normalität verzichtet auf die Betonung des Außergewöhnlichen
20und Exklusiven. Sie wirkt eher leise und ist daran zu erkennen, dass sie einfach und realitätsnah
21inszeniert ist. Authentizität lautet das Schlüsselwort für die neue Werbestrategie.
 
22Die Konzeption der Normalität steht im Gegensatz zur schönen Welt der Illusion, die die
23exklusive Individualität des Verbrauchers betont. Statt Marken anbetungswürdig in den Himmel
24zu heben, lässt man sie wieder herabsteigen auf die Höhe des Normalverbrauchers. Auf eine
25ausdrückliche Kaufempfehlung und lobende Selbstdarstellung wird verzichtet. Die Bewertung
26überlässt man dem Verbraucher selbst, was besonders die mediengeschulten und konsum-
27erfahrenen jungen Verbraucher anspricht.
 
28Die authentische Normalität in der Werbung hat noch eine weitere Stärke: Sie kann Brücken
29zwischen Ost- und Westdeutschland schlagen. Die Ostdeutschen sind sehr skeptisch gegenüber
30der Werbewelt der Illusion und bevorzugen lebensnahe und glaubwürdige Werbung.
31Authentizität ist in den neuen Bundesländern schon lange ein entscheidendes Kriterium für den
32Erfolg von Werbung. Die aktuelle Werbekampagne für Lichtenauer, den größten Mineral-
33wasserhersteller der neuen Bundesländer, zielt deutlich auf die Sehnsucht nach mehr Nomalität,
34die charakteristisch für die neue ostdeutsche Realität ist.
 
35Die Entdeckung der Authentizität und Normalität bedeutet keine Abkehr vom Individualismus,
36sie ist vielmehr eine neue Form davon. Statt der extrovertierten kommt die introvertierte
37Selbstdarstellung. Die „authentische Normalität" propagiert eine neue Form des Individualismus,
38die nicht nur das Ich in den Mittelpunkt stellt, sondern daneben auch soziale und menschliche
39Werte betont.

(nach: Alexander Mackat, Werbung mit Bodenhaftung, FAZ 27.06.00, S. B 5; Alexander Mackat ist geschäftsführender Gesellschafter der Werbeagentur Fritzsch & Mackat, Berlin.)

Teilprüfung 1 (schriftlich) - Aufgabenblatt

Bearbeitungszeit: 60 min

Aufgabe 1:

Der Text nennt zwei unterschiedliche Werbestrategien, denen sich jeweils 2 Schlüsselwörter zuordnen lassen. Ergänzen Sie die nachstehende Matrix:

1)Individualität__________________________
2)____________________________________________________

Aufgabe 2:

Welcher Strategie entsprechen die beiden folgenden Formen der Selbstdarstellung am ehesten?

  • extrovertiert:________________
  • introvertiert:________________

Aufgabe 3:

Für drei Gruppen von Verbrauchen vor allem wurde eine neue Werbestrategie entwickelt. Welche sind diese?

  • _________________
  • _________________
  • _________________

Aufgabe 4:

Welche der beiden Werbekonzeptionen trifft mehr zu

  • auf die alten Bundesländer?: _________________________
  • auf die neuen Bundesländer?:________________________

Was ist mit den Begriffen neue bzw. alte Bundesländer gemeint?
Antworten sie jeweils in 1 Satz:

  • ________________________________________________________
  • ________________________________________________________

Aufgabe 5:

Warum ist es für die Werbung so schwer, erfolgreich zu sein?
Antworten Sie in 1 Satz.

  • ________________________________________________________

Aufgabe 6

Erklären Sie, wie in der Werbeanzeige von Lichtenauer der Wechsel von Exklusivität zu Normalität erreicht wird. Wäre eine solche Darstellung auch in Ihrem Land möglich? (Ja/Nein, Warum?)

  • ________________________________________________________
  • ________________________________________________________
  • ________________________________________________________
  • ________________________________________________________
  • ________________________________________________________
  • ________________________________________________________

Aufgabe 7:

Warum verzichtet die neuere der beiden Werbestrategien auf eine ausdrückliche Kaufempfehlung? Nennen Sie zwei mögliche Grunde!

  • ________________________________________________________
  • ________________________________________________________

Teilprüfung 2 (schriftlich) - Bearbeitungszeit: 40 min

Werbung für die Hochschulen

1Die zunehmende Globalisierung aller Gesellschaftsbereiche konfrontiert zunehmend auch die
2deutschen Hochschulen mit dem internationalen Wettbewerb auf dem Bildungsmarkt. Wenn die
3Hochschulen dort erfolgreich sein wollen, müssen sie sich zunäachst der eigenen Situation im
4internationalen Wettbewerbsumfeld bewusst werden, damit eindeutige Ziele für diesen
5Wettbewerb formuliert werden können. Eine klare Identifikation der unterschiedlichen Kunden -
6Arbeitgeber, Studierende, die eigenen Mitarbeiter - muss gegeben sein, ehe man sich mit einer
7möglichen Konzentration der Werbung auf bestimmte Ziele und Zielgruppen befasst. Auf dieser
8Basis lassen sich dann Marketingstrategien und Marketingmaßnahmen ausarbeiten.
 
9Nur weinige deutsche Hochschulen haben es bisher geschafft, ihren guten Namen und die
10Qualität ihrer Studiengänge als Markenartikel zu positionieren. Konkurrenten in den USA sind
11da einige Schritte weiter: Die Harvard Business School steht weltweit für eine erstklassige
12wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung. Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) ist
13ein Markenartikel, der geradezu als Synonym für Technologiekompetenz steht. Ungeachtet des
14Vorsprungs dieser Wettbewerber ist Hochschulausbildung aber auch hierzulande auf dem
15besten Wege zum Markenprodukt.

(nach: Lars Tutt, Marken-Bildung, FAZ 27.06.00, S. B 11. Lars Tutt ist Mitarbeiter am Centrum für Hochschulentwicklung der Bertelsmann Stiftung, Gütersloh)

Teilprüfung 2 (schriftlich) - Aufgabenblatt

Bearbeitungszeit: 40 min

Ergänzen Sie die Lücken in dem Aufgabenblatt. Orientieren Sie sich für Ihre Antworten an dem Text der Teilprüfung 2. Alle notwendigen Informationen können Sie im Text finden. Zum Teil müssen sie sprachlich umgeformt werden.

  • Die Hochschule ist einer der _________________________, die immer stärker globalisiert werden.
  • Der Wettbewerb auf dem Bildungsmarkt ist ________________________________________
  • „dort" steht für welche Stelle im Text?: ____________________________________
  • Eine Arbeitsplannung für eine erfolgreiche Werbestrategie der Hochschulen soll erstellt werden:
    • Zunächst ist wichtig, ___________________________________________________________________________________
    • Die unterschiedlichen Kunden müssen ____________________________________________________________________
    • Die Ziele für den Wettbewerb müssen _____________________________________________________________________
    • Auf dieser Basis werden schließlich _______________________________________________________________________
    • Arbeitgeber, Studierende, die eigenen Mitarbeiter sind ________________________________________________________
    • Auch ___________________________ und ____________________________ einer Hochschule können Markenartikel sein.
    • Wer sind im Text „diese Wettbewerber"? ____________________________________________________________
    • Wo ist „hierzulande"?____________________________________________________________________________

Teilprüfung 3 (schriftlich) - Aufgabenblatt

Bearbeitungszeit: 80 min

(„Zu 1", „Zu 2" usw. bezieht sich auf die Ziffern der Gliederung)

1) Zu 1:

Nennen Sie mindestens 3 Markennamen, die im Text erwähnt werden:

  • ______________________________________________
  • ______________________________________________
  • ______________________________________________

2) Zu 2:

Was ist ein „Tempo"?

  • ______________________________________________

3) Zu 3:

Welche Vorstellungen verbindet der Verbraucher mit dem Markenartikel?

  • ______________________________________________
  • ______________________________________________

4) Zu 4:

Durch welche Mittel versucht die Werbung, ein Produkt aus der Reihe ähnlicher Produkte hervorzuheben? (mind. 3)

  • ______________________________________________
  • ______________________________________________
  • ______________________________________________

5) Zu 4:

  • Wie groß sind die Chancen der Werbefirmen, mit ihrer Werbestrategie Erfolg zu haben?
    sehr groß -- groß -- planbar -- garantiert -- gering -- sehr gering
  • Warum?:_____________________________________________________________________

6) Zu 4:

Was bezahlt der Verbraucher beim Kauf eines Markenprodukts?

  • ______________________________________________
  • ______________________________________________

7) Zu 5:

Woran kann man erkennen, dass sich das Verhalten der Verbraucher in der letzten Zeit verändert hat? Nennen Sie 3 Punkte, indem Sie zu jedem Punkt einen Satz schreiben.

  • ______________________________________________
  • ______________________________________________
  • ______________________________________________

8) Zu 5:

  • Wer konnte früher zumeist den Preis für ein Produkt bestimmen?
    ______________________________________________
  • Wer bestimmt heute zumeist den Preis?
    ______________________________________________

9) Schreibaufgabe:

Thema: Die Aufgabe der Werbung

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Text von mindestens 150 Wörtern (bei normaler Schrift ca. 1 - 1,5 Seiten). Stellen Sie die Aufgabe der Werbung dar und nehmen Sie kritisch dazu Stellung.
Schreiben Sie Ihren Text auf den ausgegebenen Klausurbogen!

Gehen Sie in Ihrem Text auf die folgenden Punkte ein:
  • Gründe für die Werbung (warum, wozu)
  • Ziele der Werbung: Produkt, Markt, Verbraucher (wer, was, wo)
  • Mittel für die Arbeit der Werbung (wie)
  • Erfolgsaussichten der Werbung: Gründe für die Situation
  • Verändertes Verbraucherverhalten und Auswirkung auf die Werbung
  • Ihre Einstellung zur Werbung: Sind Sie dafür oder dagegen? Hat Werbung nach Ihrer Meinung Vor- oder Nachteile? Kann der Markt ohne Werbung auskommen? Begründen Sie Ihre Position!

Original Version:

Diese Musterprüfung stammt aus dem Lehrstuhl für angewandte Sprachwissenschaft der RWTH Aachen.

Drückversionen: